Stadtmuseum: Objekt des Monats Juni 2026

© Stadtverwaltung Radolfzell

Das Walzgerät wurde zum Erzeugen einer einheitlichen Masse aus den unterschiedlichen Bestandteilen für Salben und Pasten, Glätten und Vermischen von Rezepturen und manchmal für das Auswalzen von Pillenmassen verwendet.

Das Objekt des Monats Juni ist ein Pillen- und Salbenwalzgerät aus den 1960er Jahren. Es gehörte zur Grundausstattung eines Apothekerlabors. In den 1950er- und frühen 1960er-Jahren verfügte nahezu jede Apotheke über ein eigenes Labor. Viele Apotheker waren nicht nur erfahrene Heilkräuterkenner, sondern auch geschickte Laboranten. Dadurch entstanden von Apotheke zu Apotheke unterschiedliche Rezepturen für Salben mit vergleichbarer Wirkung. Was auf den ersten Blick als Nachteil erscheinen mochte, brachte zugleich einen großen Vorteil mit sich: Zwar fehlte eine vollständig einheitliche Rezeptur, dafür konnten Apotheker ihre Arzneimittel individuell auf die Bedürfnisse ihrer Kunden abstimmen – etwa bei Allergien gegen bestimmte Heilpflanzen oder Inhaltsstoffe.


Für die Herstellung der eigenen Salben wurden große Mengen verschiedenster Heilkräuter benötigt. Deshalb gehörte es bis in die 1950er-Jahre zur Ausbildung eines Apothekerlehrlings, Heilpflanzen in der Umgebung selbst zu sammeln und sie sorgfältig in einem Herbarium zu dokumentieren. Auch die Familie Ehrhardt, die die Apotheke zu jener Zeit führte, war der traditionellen Arzneimittelherstellung eng verbunden. Regelmäßig unternahm sie Wanderungen im Hegau, um Heilkräuter zu sammeln. Zudem besaß die Familie einen eigenen Kräutergarten und stellte bis in die 1990er-Jahre hinein eigene Kräutertees aus selbst getrockneten Pflanzen her. Diese wurden in der historischen Kräuterkammer unter dem Dach verarbeitet und gelagert. Wer mehr über die Geschichte der Pharmazie und die Rolle der Apotheken erfahren möchte, ist herzlich eingeladen, sich zum Vortrag „Von der Klosterheilkunde zur modernen Pharmazie“ von Fachapotheker Michael Dohm am 11.06.2026 um 19 Uhr anzumelden.